Thomas Venker
Ignoranz und Iszenierung. Schreiben über Pop, Mainz, 1. Auflage, 2003


Let There Be Book!

Wenn es auch keine Sau interessiert, werde ich mit einem meiner letztgelesenen Bücher noch mal mein exhibitionistisches ich-lass-mir-beim-Lesen-über-die-Schulter-gucken-Bedürfnis befriedigen. Und wer das nicht mag, kanns ja ignorieren oder sich beschweren. Ansonsten bleibt nur noch eine anregende Lektüre und wahnsinnige Erkenntnisse zu wünschen.


Einleitung
Hinter den Berufsbezeichnungen Musik-, Film-, Kunst-, ja Kulturjournalist verstecken sich heute viele verkappte Dienstleister, die sich dem Infotainment oder, noch schlimmer, dem Gefälligkeitsjournalismus verschrieben haben. Derart viele, dass ich mir nicht sicher bin, ob nicht darin die eigentliche Ursache für viele der in diesem Buch beschriebenen Probleme liegt. In der Tat habe ich beim Schritt zurück feststellen müssen, dass es eher die negativen Tendenzen im Musikbusiness und deren kritisches Hinterfragen sind, die viele meiner Artikel speisen: die Frage nach der Authentizität, die Kritik am politischen Status quo, die Kritik an der Positionierung von Frauen in der Popwelt.
(S. 15)
>>>> www.intro.de (Positiv-Beispiel)
>>>> www.hamburg-rockt.de (auch, oder?)


Musik Macht Politik
Auch wenn sich heute, annähernd 15 Jahre nach dem Aufkommen erster Protagonisten der später als Hamburger Schule verordneten Szene, einige alters- oder familienbedingt etwas zurückgezogen haben, lässt sich doch - in Abgrenzung zu anderen deutlich individualisierten Szeneentwürfen - für Hamburg eine grpße Geschlossenheit der Musiker festhalten. Das Musikerleben ist in dieser Stadt nicht nur an einen Bohème-Lebensstil gekoppelt - wie wir in beispielsweise heute auch aus Berlin kennen -, sondern auch an eine sozial-politische Praxis. Hier dient die Musik nicht nur dem Einkommen und Entkommen, sondern ist auch mit einem - jeweils mehr oder weniger expliziert formulierten - Moment der Aufklärung verknüpft. Bands wie die Goldenen Zitronen oder Musikerinnen wie Elena Lange von Stella und Jochen Distelmeyer von Blumfeld sehen es als zwingendes und wichtiges (wenn nicht gar zentrales) Moment ihres Schaffens an, Stellung zu beziehen. Während die meisten Musiker zum Kosovokrieg schwiegen, machte Lange auf dem Stella-Album "Finger On The Trigger For The Years To Come" Die Bombardierung des ehemaligen Jugoslawiens zum zentralen Thema […]
(S. 70)

>>>> www.regierung-stuertzen.de
>>>> www.fsk-hh.org
>>>> www.lado.de
>>>> www.hamburg-rockt.de


Tocotronic. Der Soundtrack zur Rebellion
+++ Und jetzt? +++
Seid ihr dran. So oder so. Entweder ihr lasst Euch auf meine Interpretation ein - was ich nicht empfehle. nicht das ich denke, dass ich falsch liege, sondern da Band und Album verdient haben, dass jeder seine eigenen Gedanken macht, seine eigenen Schlüsse zieht. Wie auch immer diese ausfallen werden, eines ist sicher: "Tocotronic" ist ein famoses Album einer famosen Band. Auch wenn die beste Zeile nur in meinem Kopf existiert und nicht von ihnen kommt. Sie lautet "Die Reichen sind gestellt." Im Original heißt es: "Die Weichen sind gestellt." So produktiv kann Missverstehen sein.
(S. 99)
>>>> www.tocotronic.de
>>>> www.tocotronix.de (fan-site)


Popfeminismus
Kochen mit: Kelis
Diese Vegetarier-Sache versteht unsere Soul-Lady allerdings nicht so ganz. Als es an den Reis geht, unser verbindendes Element, schmeißt sie doch glatt Hähnchenabfälle ins Wasser, zur Geschmackverbesserung, wie ich erfahre.

Kelis: "Oh, ah, du bist ja Vegetarier. Aber keine Angst, ich sieb' das ab. It's just for the taste of it ..."

+++ Nette Idee, aber ich schütte das mal weg und setze neues Wasser auf. +++
(S. 137)


Björk. Die Essenz des Lebens
Gibt es auf dem neuen Album ein Hauptthema?
[Björk:] "[…] Das Album ist eine Art Liebesgedicht an das Zuhause, an das Paradies in der eigenen Küche, und an den Laptop, ein Tool, das Leute, die sich lieben, wieder zusammenbringt. Vor 30 oder 40 Jahren mussten sich die Leute trennen, um ihren Träumen nachzugehen, sie mussten zwischen Zuhause und Arbeit wählen. Heute ist das nicht mehr so. Ich habe einen Sohn und der aufregendste Platz für ihn ist zu Hause. Er hat die besten Computerspiele. Er kann im Internet die neuesten Science-Fiction-Filme per Post ordern und auf unseren Homesystem anschauen. Für Musik war zu Hause sowieso schon immer der beste Platz zum Anhören - das war schon vor 100 Jahren so. Damals ging man nur drei oder vier Mal während seines Lebens zum Konzert. Dann, in der Mitte des Jahrhunderts, war der ideale Platz zum Musikhören das genaue Gegenteil: Woodstock mit mehr als 500 000 Leuten. Jetzt dreht sich das wieder. Der ideale Platz ist das Zuhause. Ich kann dank Napster Musik wiederfinden, die mir seit 20 Jahren fehlt." (S. 153)

Sara mit "Häschen" Henning mit "Igel"

This Biz Is Not Alright
Mute Records. Interview mit Daniel Miller
Ich bin erstaunt zu hören, dass Nick Cave in Israel groß ist. Das ist ja nicht unbedingt ein Land, bei dem die Verbindung zu Popkultur evident ist ...
[Miller:] "Israel ist ein sehr musikbegeistertes Land. Musik ist ein wichtiger Bestandteil jeder Landeskultur. Manchmal orientieren sich die Länder eher an Länderspezifischem, manchmal eher an internationaler Musik. Wir haben von Anfang an mit den Leuten in diesen kleinen Ländern gearbeitet, wenn du jemanden hast, der enthusiastisch ist, mit deiner Musik arbeiten möchte."

>>>> Alles was nicht im Radio läuft (Jungle World-Artikel, lesenswert!!!)
>>>> www.omrilevy.com
>>>> www.106fm.co.il
>>>> www.kosmonaut.co.il (Club HaTow BaAretz!)
>>>> www.schuh-gefunden.de/tel-aviv :-)


LUST AUF LESEN BEKOMMEN!?